Der Weg zur Diagnose
Der Weg zu meiner Diagnose war lang – und oft sehr belastend.
Über viele Jahre hinweg wurden meine Beschwerden immer wieder mit meiner Essstörung in Verbindung gebracht. Bauchschmerzen, Blähungen, Übelkeit, Verstopfung und Durchfälle – vieles wurde darauf zurückgeführt.
Natürlich war meine Essstörung ein Teil meiner Geschichte. Aber sie war nicht die ganze Erklärung für das, was mein Körper mir gezeigt hat.
Ich hatte immer wieder mit starken Magen- und Bauchbeschwerden zu kämpfen. Ein unangenehmes Druckgefühl, Krämpfe und ein Blähbauch, der sich oft kaum aushalten liess.
Zeitweise war es so schlimm, dass ich Angst hatte, ausserhalb zu essen, mich mit Freunden zu treffen oder auf Veranstaltungen zu gehen.
Diese ständige Angst vor Schmerzen – oder davor, dass sie jederzeit auftreten könnten – führte dazu, dass ich mich immer mehr zurückzog.
Es war eine Art Isolation.
Und es raubte mir immer wieder meine Lebensenergie.
Es war einfach belastend.
Es folgten zahlreiche Arztbesuche und auch Krankenhausaufenthalte. Immer wieder wurde versucht, die Symptome zu lindern. Ich bekam krampflösende Medikamente, teilweise nahm ich diese fast täglich. Auch Mittel gegen Blähungen und Verdauungsbeschwerden gehörten zu meinem Alltag.
Doch die erhoffte Besserung blieb aus.
Im Gegenteil: Einige dieser Medikamente verschlechterten meine Beschwerden sogar. Erst später wurde mir bewusst, dass viele Tabletten Hilfsstoffe enthalten können, die für Menschen mit Fructoseintoleranz problematisch sind – zum Beispiel versteckte Zuckerarten oder Sorbit.
Damals wusste ich das nicht. Ich hatte nur das Gefühl, dass mein Körper immer wieder reagiert – ohne dass ich wirklich verstand, warum.
Nach und nach begann ich, in Lebensmitteln zwanghaft nach einer Erklärung zu suchen. Ich mied immer mehr – aus Angst vor den Schmerzen.
Diese Zeit war geprägt von Unsicherheit, Frustration und dem Gefühl, keine klare Antwort zu bekommen – und damit leben zu müssen.
Nach meinem letzten Krankenhausaufenthalt im Juli 2023 wurde mir eine Darmspiegelung empfohlen.
Doch ich sagte den Termin ab.
Vielleicht aus Angst vor dem Abführen.
Vielleicht auch aus Angst vor dem möglichen Gewichtsverlust – ein Gedanke, der meine Essstörung eher verstärkte als beruhigte.
Stattdessen ging ich zurück zu meiner Ernährungsberaterin.
Rückblickend weiß ich heute, wie schwierig es sein kann, wenn Symptome nicht eindeutig zugeordnet werden können – und wie schnell körperliche Beschwerden auf bereits bekannte Themen reduziert werden.
Umso wichtiger war für mich der Moment, in dem endlich genauer hingeschaut wurde.
Die Diagnose
Und dann kam der Moment, der vieles verändern sollte.
Nach all den Jahren voller Unsicherheit stand endlich eine konkrete Untersuchung an: ein Atemtest auf Fructoseunverträglichkeit.
Der Test selbst dauerte insgesamt etwa 3,5 Stunden.
Ich hatte meinen Laptop mit in die Praxis genommen, um die Zeit zwischen den einzelnen Messungen zu überbrücken und ein wenig arbeiten zu können.
Zu Beginn wurde ein Nüchternwert meiner Ausatemluft gemessen.
Anschliessend musste ich eine Zuckerlösung trinken.
Kein besonders angenehmer Moment – vor allem, wenn man bereits ahnt, dass der Körper darauf reagieren wird.
Danach wurde alle 30 Minuten erneut die Ausatemluft gemessen. Dieser Ablauf wiederholte sich über mehrere Stunden hinweg, bis ein eindeutiger Verlauf erkennbar war.
Mit jeder Messung wartete ich gespannt auf das Ergebnis – und gleichzeitig auch mit einem gewissen Unbehagen, was mein Körper daraufhin zeigen würde.
Am Ende war das Ergebnis eindeutig:
Mein Wert lag deutlich über dem Normalbereich.
Die Diagnose stand fest: Fructoseintoleranz.
Ein Moment, der sich schwer in Worte fassen lässt.
Einerseits war da dieses Gefühl von Erleichterung.
Endlich gab es eine Erklärung für all die Beschwerden, die mich so lange begleitet hatten.
Andererseits war da auch ein Staunen – fast schon Ungläubigkeit.
Nach all den Jahren…
Wahnsinn.
Ein neuer Anfang
Mit der Diagnose begann für mich nicht einfach nur eine neue Ernährungsweise.
Es war der Beginn eines neuen Verständnisses für meinen Körper.
Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, nicht mehr gegen mich arbeiten zu müssen – sondern anfangen zu können, mit meinem Körper zu arbeiten.
Natürlich brachte die Diagnose auch Unsicherheiten mit sich.
Was darf ich noch essen?
Was vertrage ich wirklich?
Doch gleichzeitig war da etwas, das ich lange nicht gespürt hatte:
Klarheit.
Schritt für Schritt begann ich zu lernen, welche Lebensmittel mir guttun und wie ich meinen Alltag anpassen kann.
Es war kein perfekter Weg – aber ein ehrlicher.
Und vor allem war es ein Weg zurück ins Vertrauen.
Vertrauen in meinen Körper.
Vertrauen in meine Wahrnehmung.
Heute weiss ich:
Die Diagnose war nicht das Ende –
sondern ein neuer Anfang.
➡ Was ist Fructoseintoleranz (Fructosemalabsorption)
➡ Lebensmittel bei Fructoseintoleranz – was gut verträglich ist und was du beachten solltest
➡ Meine Erfahrungen im Alltag
➡ Fructosearme Rezepte
